Sommer, Sonne, Steuerfahnder

2. September 2011 – 10:22

Italiens Strände sind voll, aber sie ziehen nicht nur Touristen an. Momentan macht die Finanzpolizei in Strandbädern Jagd auf Steuerhinterzieher. Bei Liegen und Sonnenschirmen geht es in Italien nämlich oft nicht mit rechten Dingen zu.

Tutti al mare, heißt es zur Zeit. Rom ist eine verlassene Stadt. Wenn in der zweiten Augusthälfte auch nicht alle am Meer sind, Touristen und betagte Römer bleiben dennoch weitgehend unter sich. Der Höhepunkt der Leere sind die Tage um Ferragosto, Mariä Himmelfahrt. Selbst die, die zur wachsenden Zahl derer gehören, die sich keine richtige Urlaubsreise leisten können, wollen sich dann wenigstens einen Ausflug an die überfüllten Strände nahe der Hauptstadt gönnen.

Quelle: sueddeutsche.de


Berlusconi kippt Reichensteuer

1. September 2011 – 08:16

Die italienische Regierung hat ihr Sparpaket umgestaltet. Eine Sonderabgabe für Reiche wird es doch nicht geben. Dafür soll die Zahl der Parlamentarier halbiert werden.
Die italienische Regierung verzichtet in ihrem milliardenschweren Sparpaket auf eine Sondersteuer für Reiche. Das kündigten Regierungschef Silvio Berlusconi und Umberto Bossi, Reformminister und Chef der Koalitionspartei Lega Nord, an.

Diese Abgabe solle durch andere Maßnahmen ersetzt werden. Steuervergünstigungen für Unternehmen sollen abgeschafft und Steuerhinterziehung schärfer geahndet werden. Auch bei den Rentnern könnte stattdessen gespart werden, Berlusconi sagte außerdem, dass die Anzahl der italienischen Parlamentarier halbiert werden solle.

Quelle: zeitonline.de


ARBÖ warnt vor Urlauberfallen in Italien

4. August 2011 – 14:16

Utl.: Übernachtungsabgaben in Rom, Florenz und Venedig – “Tutor-System” überwacht zahlreiche Autobahnabschnitte

Wien (OTS) – Seit Anfang des Jahres hat Italien die Möglichkeit
geschaffen, dass einzelne Städte Übernachtungsabgaben einheben. Nach
Rom folgte mit 1. Juli auch Florenz und ab dem 24. August auch
Venedig.

“Schnell, schnell in den Urlaub? – Aber nicht zu schnell!”, sollte
das Motto für die Fahrt in die wohlverdienten Ferien lauten, denn die
Strafen, die bei Geschwindigkeitsübertretungen zu zahlen sind, reißen
auch ein tiefes Loch in die Brieftasche, warnen ARBÖ-Experten. Was in
Österreich die berühmte “Section Control”, ist auf Italiens
Autobahnen das “Tutor-System”. Doch nicht etwa, dass in Italien jetzt
Studentinnen und Studenten Temposündern mit Rat und Tat zur Seite
stehen, nein – es handelt sich dabei um eine beinharte
Tempoüberwachung in bestimmten Streckenabschnitten.

Quelle: apa.ots


Aaaah, Malcesine!

1. August 2011 – 18:17

Rübermachen: Jahrzehntelang stürmten die Deutschen den Brenner, um im Urlaub auf der anderen Seite ihr Glück zu finden. Und heute? Was ist von unserer Italien-Sehnsucht geblieben?

Riva. Der Camping al Lago. Hier fing angeblich alles an. Ein älterer Herr mit Lesebrille, Tennisbräune und onduliertem Haar, steht an der Rezeption und sagt: “Wie das losging? Meine Mutter, also das war 1948… – haben Sie Zeit?” Der Mann heißt Carlo Modena, “wie die Autobahn, mir gehört sie zu 50 Prozent, der Rest gehört Herrn Brennero.” Der maue Witz wird durch eine großartige Tellerwäschergeschichte wettgemacht, wobei Modenas Mutter nicht Teller wusch, sondern Spaghetti verkaufte. Hier, am Nordufer des Gardasees, an die einheimischen Familien.
Im Sommer ’48 stand dann diese Gruppe österreichischer Pfadfinder vor ihr. Sie seien mit Rädern und Zelten da, ob sie auf dem Gründstück campen könnten. “Meine Mutter hatte das Wort noch nie gehört und ging zum Bürgermeister um ihn zu fragen, ob das denn erlaubt sei, dieses Camping.” Modena spricht das englische Wort aus, als handle es sich um anstößige chinesische Sexualpraktiken. Kam Ping. Dann zeigt er nach draußen, wo sich der Verkehrsbrei entlangwälzt und Werbefahnen an Alumasten klomkern, und sagt: “So ging das los mit dem Tourismus am Gardasee.

Quelle: sueddeutsche.de


In Monza wurde eine Groteske gegeben

25. Juli 2011 – 10:24

Am Wochenende wurden in Monza bei Mailand auf Betreiben der Lega Nord Vertretungen von vier Ministerien der italienischen Zentralregierung eröffnet. Die wichtige Partie wird derweil in Rom gespielt, wo sich die Lega als Opposition innerhalb der Regierung aufführt.
Die Eröffnung ständiger Vertretungen von vier Ministerien – Wirtschaft, Bürokratievereinfachung, Föderalismus und Tourismus – ist eine Farce. Im ehemaligen Königspalast zu Monza werden im Erdgeschoss ein paar Zimmer freigeräumt, in denen kaum mehr als vier Schreibtische und ein paar Regale Platz haben. Allerdings wird diese Groteske den italienischen Steuerzahler einige Millionen Euro kosten. Der Nutzen liegt – wenn überhaupt – im Propagandaeffekt für die Lega Nord: Sie kann ihren Anhängern jetzt erklären, dass sie ihre Versprechen einhält und sich tatsächlich für eine Dezentralisierung Italiens und ein größeres Gewicht für den Norden des Landes einsetzt.

Quelle: Neues Deutschland


Der italienische Patient

14. Juli 2011 – 13:27

Italien leidet zwar unter dem zweithöchsten Schuldenberg in Europa, ist aber wirtschaftlich solide aufgestellt. Nur die schwache Regierung hindert das Land an der schnellen Genesung.
Diagnose: Akute Überschuldung
Italien schleppt schon seit Jahrzehnten einen riesigen Schuldensack mit sich herum. Inzwischen beträgt die Staatsverschuldung knapp 120 Prozent der Wirtschaftsleistung. Angesichts der hohen Verbindlichkeiten hatte die Ratingagentur Moody’s schon vor einigen Wochen damit gedroht, die Kreditwürdigkeit des Landes herabzustufen – damit droht Italien in die Teufelsspirale von Neuverschuldung und enorm hohen Zinsen hineinzurutschen. Auch die Konjunktur will nicht richtig anspringen, derzeit liegt das Wachstum bei 1,3 Prozent. Tendenz: stagnierend. Auch von der Politik ist wenig Hilfe zu erwarten. Ministerpräsident Silvio Berlusconi ist ein Regierungschef auf Abruf, doch bis zu den nächsten Wahlen dauert es noch zwei Jahre.

Quelle: stern.de


Was Italien jetzt benötigt, sind Haushaltsdisziplin und Wachstum

13. Juli 2011 – 10:28

Die Regierung bekommt die Staatsverschuldung nicht in den Griff

ROM. Die Kommentare der großen italienischen Zeitungen lesen sich dieser Tage wie ein Chor: Nachdem sie wegen der massiven Kurseinbrüche an der Mailänder Börse in der vergangenen Woche noch an eine Weltverschwörung gegen Italien geglaubt hatten, begann diese Woche mit Vernunftappellen: “Haushaltdisziplin und Wachstum – zwei untrennbare Notwendigkeiten”, schreibt die Mailänder Wirtschaftszeitung “Il Sole – 24 ore”. Der “Corriere della Sera” verspricht “keine Polemiken mehr” und “La Repubblica” kommentiert: “Wir müssen vermeiden, dass das politische Scheitern einer Regierung, die inzwischen nicht mehr vorzeigbar ist, sich in den Bankrott eines ganzen Landes verwandelt.”

Berlusconi selbst hat sich einen Maulkorb verordnet, um die internationalen Finanzmärkte nicht weiterhin negativ zu beeinflussen. Von seinem Sprecher Paolo Bonaiuti ließ er verkünden: “Trotz des höchsten Schuldenstandes aller EU-Länder sind die italienische Wirtschaft sowie die Banken grundsolide!” Auch der Spielverderber, die Rating-Agentur Standard & Poor’s, hat dem Land ein “A+”-Rating bezüglich der Bonität verliehen. Doch der Stachel der Negativbeurteilung des Wirtschaftswachstums sitzt tief.

Quelle: abendblatt.de


Deutschland sieht “kein zweites Griechenland”

13. Juli 2011 – 09:25

Brüssel – Italien wird nach den Worten des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble nicht in den Strudel der Schuldenkrise geraten. Auf die Frage, ob Italien der nächste Problemfall werde, sagte der CDU-Politiker am Montag in Brüssel vor einem Treffen der Euro-Finanzminister: “Nein, das glaube ich überhaupt nicht.”
DekaBank-Volkswirt: Kein “zweites Griechenland”

Auch nach Einschätzung der DekaBank ist die Lage auf der Apenninen-Halbinsel weniger dramatisch als in anderen Eurostaaten. “Italien ist ökonomisch gesehen in einer ganz anderen Schublade als Griechenland”, sagte Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Bank, am Montag der Nachrichtenagentur dpa. Ein “zweites Griechenland” sei nicht zu erwarten. “Ich glaube, Italien ist in der Lage, auch mit höheren Zinsen eine Weile lang zu leben.” Das Problem sei derzeit vor allem die Übertreibung, mit der die Märkte auf die Schuldenkrise der Eurostaaten reagierten.

…Die milliardenschweren Einsparungen, zu denen die Regierung die Italiener aufgerufen hat, die Unsicherheiten um die Arbeitsplätze und die hohen Benzinpreise nagen unterdessen bereits an der Urlaubsfreude der Italiener. Wegen der schwierigen Wirtschaftskonjunktur wird sich heuer nur jeder fünfte Italiener einen Sommerurlaub gönnen, ergab eine Prognose des Konsumentenschutzverbands Adoc.

Quelle: derStandard.at


Die fünfte Kolonne

2. Juli 2011 – 10:23

In Roms weltberühmte Fontana di Trevi auch dem letzten Besucher der Vorstadtkinos durch den Film “Drei Münzen im Brunnen” bekannt – wurden zum ersten Male seit dem Jahre 1914 haufenweise Kopekenstücke geworfen: 437 sowjetische Touristen waren als “Kreuzfahrt der Entspannung” in weißen Hosen, Strohhüten und mit pausenlos klickenden Kameras ostzonaler Herkunft an das Mittelmeer vorgestoßen.

In der Ewigen Stadt, wo sie den Papst bestaunten, als er die Gläubigen von der Peterskirche aus segnete, hatte man ihnen von dem alten Brauch erzählt, wer wieder nach Rom zurückkehren möchte, müsse eine Münze in den Brunnen werfen. Ein Kopekenregen ergoß sich daraufhin in die Fontana di Trevi.

Es war die erste größere sowjetische Touristengruppe, die mit dem Dampfer “Pobeda” – der einstigen bei Danzig erbeuteten deutschen “Tiberia” – für 3500 Rubel pro Person eine vierzehntägige Kreuzfahrt zu den bislang verbotenen Fersenparadiesen der westlichen Bourgeoisie unternahm.

Quelle: DER SPIEGEL 27/1956


Die Toskana ohne Italiener

17. Juni 2011 – 10:18

Der Reisekonzern TUI hat vor vier Jahren einen ganzen Ort in der Toskana gekauft. Nun wird dieser zu einem exklusiven Ferienparadies umgestaltet. Einheimische gibt es praktisch keine mehr.
Innsbruck – Castelfalfi hat alles,­ was sich Toskana­liebhaber erwarten: Olivenhaine, Weinberge, Zypressen und Pinienwälder – und das eingebettet in die für diese italienische Region so typische malerische Hügellandschaft. Doch an einem mangelt es dem kleinen Örtchen, das mitten im Dreieck zwischen Florenz, Siena und Pisa auf einer Anhöhe thront: Italienern.

Die Landflucht, ein weltweites Phänomen, macht eben auch vor jenen Gegenden nicht Halt, die für Reisende den Status des Paradiesischen einnehmen. Gerade mal zwei Personen wohnten 2007 noch in dem alten Dorfkern, als die TUI – der größte europäische Reisekonzern – den ganzen Ort gekauft hat. Ein exklusives Ferienparadies wurde geplant. Die Wirtschaftskrise und ein mehrjähriger Genehmigungsmarathon haben das Projekt aber immer wieder verzögert.

In der Region Friuli gibt es bereits ähnliche Konzepte – die so genannten „alberghi diffusi“­ –, die verwaiste Ortschaften wiederbeleben sollen. Von einem Ausverkauf der Heimat will er nichts wissen: „Es werden dafür ja keine Einheimischen vertrieben.“ (ksi, chw)

Quelle: Tiroler Tageszeitung