Der italienische Patient

14. Juli 2011 – 13:27

Italien leidet zwar unter dem zweithöchsten Schuldenberg in Europa, ist aber wirtschaftlich solide aufgestellt. Nur die schwache Regierung hindert das Land an der schnellen Genesung.
Diagnose: Akute Überschuldung
Italien schleppt schon seit Jahrzehnten einen riesigen Schuldensack mit sich herum. Inzwischen beträgt die Staatsverschuldung knapp 120 Prozent der Wirtschaftsleistung. Angesichts der hohen Verbindlichkeiten hatte die Ratingagentur Moody’s schon vor einigen Wochen damit gedroht, die Kreditwürdigkeit des Landes herabzustufen – damit droht Italien in die Teufelsspirale von Neuverschuldung und enorm hohen Zinsen hineinzurutschen. Auch die Konjunktur will nicht richtig anspringen, derzeit liegt das Wachstum bei 1,3 Prozent. Tendenz: stagnierend. Auch von der Politik ist wenig Hilfe zu erwarten. Ministerpräsident Silvio Berlusconi ist ein Regierungschef auf Abruf, doch bis zu den nächsten Wahlen dauert es noch zwei Jahre.

Quelle: stern.de


Was Italien jetzt benötigt, sind Haushaltsdisziplin und Wachstum

13. Juli 2011 – 10:28

Die Regierung bekommt die Staatsverschuldung nicht in den Griff

ROM. Die Kommentare der großen italienischen Zeitungen lesen sich dieser Tage wie ein Chor: Nachdem sie wegen der massiven Kurseinbrüche an der Mailänder Börse in der vergangenen Woche noch an eine Weltverschwörung gegen Italien geglaubt hatten, begann diese Woche mit Vernunftappellen: “Haushaltdisziplin und Wachstum – zwei untrennbare Notwendigkeiten”, schreibt die Mailänder Wirtschaftszeitung “Il Sole – 24 ore”. Der “Corriere della Sera” verspricht “keine Polemiken mehr” und “La Repubblica” kommentiert: “Wir müssen vermeiden, dass das politische Scheitern einer Regierung, die inzwischen nicht mehr vorzeigbar ist, sich in den Bankrott eines ganzen Landes verwandelt.”

Berlusconi selbst hat sich einen Maulkorb verordnet, um die internationalen Finanzmärkte nicht weiterhin negativ zu beeinflussen. Von seinem Sprecher Paolo Bonaiuti ließ er verkünden: “Trotz des höchsten Schuldenstandes aller EU-Länder sind die italienische Wirtschaft sowie die Banken grundsolide!” Auch der Spielverderber, die Rating-Agentur Standard & Poor’s, hat dem Land ein “A+”-Rating bezüglich der Bonität verliehen. Doch der Stachel der Negativbeurteilung des Wirtschaftswachstums sitzt tief.

Quelle: abendblatt.de


Deutschland sieht “kein zweites Griechenland”

13. Juli 2011 – 09:25

Brüssel – Italien wird nach den Worten des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble nicht in den Strudel der Schuldenkrise geraten. Auf die Frage, ob Italien der nächste Problemfall werde, sagte der CDU-Politiker am Montag in Brüssel vor einem Treffen der Euro-Finanzminister: “Nein, das glaube ich überhaupt nicht.”
DekaBank-Volkswirt: Kein “zweites Griechenland”

Auch nach Einschätzung der DekaBank ist die Lage auf der Apenninen-Halbinsel weniger dramatisch als in anderen Eurostaaten. “Italien ist ökonomisch gesehen in einer ganz anderen Schublade als Griechenland”, sagte Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Bank, am Montag der Nachrichtenagentur dpa. Ein “zweites Griechenland” sei nicht zu erwarten. “Ich glaube, Italien ist in der Lage, auch mit höheren Zinsen eine Weile lang zu leben.” Das Problem sei derzeit vor allem die Übertreibung, mit der die Märkte auf die Schuldenkrise der Eurostaaten reagierten.

…Die milliardenschweren Einsparungen, zu denen die Regierung die Italiener aufgerufen hat, die Unsicherheiten um die Arbeitsplätze und die hohen Benzinpreise nagen unterdessen bereits an der Urlaubsfreude der Italiener. Wegen der schwierigen Wirtschaftskonjunktur wird sich heuer nur jeder fünfte Italiener einen Sommerurlaub gönnen, ergab eine Prognose des Konsumentenschutzverbands Adoc.

Quelle: derStandard.at


Die fünfte Kolonne

2. Juli 2011 – 10:23

In Roms weltberühmte Fontana di Trevi auch dem letzten Besucher der Vorstadtkinos durch den Film “Drei Münzen im Brunnen” bekannt – wurden zum ersten Male seit dem Jahre 1914 haufenweise Kopekenstücke geworfen: 437 sowjetische Touristen waren als “Kreuzfahrt der Entspannung” in weißen Hosen, Strohhüten und mit pausenlos klickenden Kameras ostzonaler Herkunft an das Mittelmeer vorgestoßen.

In der Ewigen Stadt, wo sie den Papst bestaunten, als er die Gläubigen von der Peterskirche aus segnete, hatte man ihnen von dem alten Brauch erzählt, wer wieder nach Rom zurückkehren möchte, müsse eine Münze in den Brunnen werfen. Ein Kopekenregen ergoß sich daraufhin in die Fontana di Trevi.

Es war die erste größere sowjetische Touristengruppe, die mit dem Dampfer “Pobeda” – der einstigen bei Danzig erbeuteten deutschen “Tiberia” – für 3500 Rubel pro Person eine vierzehntägige Kreuzfahrt zu den bislang verbotenen Fersenparadiesen der westlichen Bourgeoisie unternahm.

Quelle: DER SPIEGEL 27/1956


Die Toskana ohne Italiener

17. Juni 2011 – 10:18

Der Reisekonzern TUI hat vor vier Jahren einen ganzen Ort in der Toskana gekauft. Nun wird dieser zu einem exklusiven Ferienparadies umgestaltet. Einheimische gibt es praktisch keine mehr.
Innsbruck – Castelfalfi hat alles,­ was sich Toskana­liebhaber erwarten: Olivenhaine, Weinberge, Zypressen und Pinienwälder – und das eingebettet in die für diese italienische Region so typische malerische Hügellandschaft. Doch an einem mangelt es dem kleinen Örtchen, das mitten im Dreieck zwischen Florenz, Siena und Pisa auf einer Anhöhe thront: Italienern.

Die Landflucht, ein weltweites Phänomen, macht eben auch vor jenen Gegenden nicht Halt, die für Reisende den Status des Paradiesischen einnehmen. Gerade mal zwei Personen wohnten 2007 noch in dem alten Dorfkern, als die TUI – der größte europäische Reisekonzern – den ganzen Ort gekauft hat. Ein exklusives Ferienparadies wurde geplant. Die Wirtschaftskrise und ein mehrjähriger Genehmigungsmarathon haben das Projekt aber immer wieder verzögert.

In der Region Friuli gibt es bereits ähnliche Konzepte – die so genannten „alberghi diffusi“­ –, die verwaiste Ortschaften wiederbeleben sollen. Von einem Ausverkauf der Heimat will er nichts wissen: „Es werden dafür ja keine Einheimischen vertrieben.“ (ksi, chw)

Quelle: Tiroler Tageszeitung


Arrivederci Italia

31. Mai 2011 – 18:18

In Italien herrscht eine neue Angst vor der Leere an den Stränden. Die Tourismusindustrie klagt. Denn das Land wird für Reisende immer unattraktiver. Von Tobias Piller, Triest.
Kritik an der italienischen Organisation des Tourismus galt viele Jahre lang als politisch inopportun und geschäftsschädigend. Doch zuletzt hat Italien so viel Wettbewerbsfähigkeit verloren, dass jetzt klare Worte für Veränderungen sorgen sollen. Luca di Montezemolo, Präsident des Unternehmerverbandes und zugleich als Ferrari-Chef Vorbild für Verkaufstalent und Lebensstil, packte auf einem Tourismuskongress in Triest die Probleme mit unitalienischer Direktheit an: „In den siebziger Jahren war Italien das Reiseland Nummer eins auf dem Weltmarkt. Jetzt sind wir auf Platz fünf. Wenn wir nicht reagieren, finden wir uns bald auf Platz sieben wieder.“

Quelle: FAZ.NET (2007?)


Strände zeigen Flagge

19. Mai 2011 – 18:45

Rom/Essen. Italien feiert das eigene Umweltbewusstsein. Das ist trügerisch, denn die Bewerbung um das Ökosiegel „Blaue Flagge“ ist freiwillig. Viele Kommunen beteiligen sich nicht, und auch Umweltorganisationen kennen die 750 Euro teure Auszeichnung nicht.
Italien jubelt und feiert – man mag’s kaum glauben – nach unvergessenen Müllskandalen ausgerechnet das eigene Umweltbewusstsein. In diesem Jahr wurden von der Europäischen Umweltstiftung Foundation for Environmental Education (Fee) 233 italienische Strände in 125 Gemeinden ausgezeichnet. Das ist eine, wenn auch nur kleine, Steigerung von zwei Stränden gegenüber 2010.
Während die Umweltorganisation Greenpeace dieses blaue Band, das an den unterschiedlichsten Küsten Europas flattert, eher nicht kennt, erklärt WWF-Meeresschutzexperte Stefan Lutter: „Es ist kein Indikator für ein gesundes Ökosystem.“ Die blaue Flagge setze eher auf touristische Qualitäten. Die TUI zum Beispiel, wirbt in ihren Katalogen mit der Auszeichnung. „In touristisch erschlossenen Gebieten ist die Flagge ein Symbol für hohe Umwelt-, Sanitär- und Sicherheitsstandards“, ist TUI-Pressesprecherin Alexa Hüner überzeugt.

Quelle: DERWESTEN


“Ein Geschenk an Mafiosi”

12. Mai 2011 – 10:23

Einige wenige Strandbad-Betreiber teilen die Strände Italiens untereinander auf – das ist die Schreckensvision vieler Italiener, falls ein Dekret der Regierung Berlusconi zur Lizenzvergabe Wirklichkeit wird.

Drei Millionen Gäste waren bereits über Ostern in den Lokalen und Strandanlagen an den Küsten, an der Adria und am tyrrhenischen Meer scheint die Sonne schon seit Wochen, die Sommersaison in Italien verspricht ein voller Erfolg zu werden. Überhaupt ist die Stimmung bei Italiens Strandanlagen-Betreibern ausgezeichnet. Vor wenigen Tagen präsentierte die Regierung Berlusconi ein Dekret, das den Betreibern der sogenannten “stabilimenti” über Generationen hinweg Sicherheit bietet. Konzessionen werden künftig erst nach 90 Jahren neu verhandelt.

Die italienischen Strände, laut Gesetz Eigentum des Staates und damit aller Italiener, geraten dauerhaft in die Hände weniger. Eine “kleine Revolution” ist das nach Ansicht der Tageszeitung La Repubblica. Vor allem italienische Umweltverbände sind empört.

Quelle: Julius Müller-Meiningen in der sueddeutsche.de


Italien überlässt Verkäufern Strände für 90 Jahre

10. Mai 2011 – 11:52

Berlusconis Regierung will das Nutzungsrecht für öffentliche Strände auf fast ein Jahrhundert verlängern. Das stößt bei der EU-Kommission auf Widerstand.

Eisgekühlte Getränke, Früchte, Liegen oder Sonnenschirme an Italiens Stränden anzubieten, ist ein lukratives Geschäft. Geht es nach dem Willen von Silvio Berlusconi, könnten Strandverkäufer dafür schon bald Genehmigungen mit einer Laufzeit von fast einem ganzen Jahrhundert bekommen. Denn nach Berichten italienischer Medien will die konservative Regierung Italiens ihnen Konzessionen für 90 Jahre ausstellen.

Die EU-Kommission in Brüssel stellt sich aber als oberster Wettbewerbshüter dagegen. “Wir wollen sicherstellen, dass es einen fairen Wettbewerb gibt und dass jeder die Möglichkeit hat, seine Dienste anzubieten“, sagte eine Sprecherin von EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier.

Quelle: WELTONLINE


Italien entfaltet seinen Charme nur abseits der Touristen-Hochburgen

3. Mai 2011 – 14:17

Reise, 29.04.2011, Frank Preuß

Nando Ferrara erinnert sich noch an die alten Zeiten. „Da haben wir mit Deutschen und Engländern Tagestouren von Rimini nach Rom gemacht“, erzählt er in einem Ton, als habe man gemeinsam nach Gold geschürft. Seit 30 Jahren kutschiert der Busfahrer mit dem breiten Schnauzbart und der sparsamen Mi­mik Touristen durch die Emilia Romagna und Marken im Nordosten Italiens. Rimini, der berühmte, vor allem be­rüchtigte Badeort, hat bessere Tage erlebt, findet er. Vo­rausschauende Tourismusmanager loc­ken ausländische Be­sucher längst ins Hinterland der Adria, wohlwissend, wie hart die Konkurrenz im eigenen Staate ist.

Und siehe da: Die sanften, grünen Hügel der Romagna präsentieren sich als reizvolle Alternative zu den Standardrunden durch die Toskana oder durchs Piemont.

Quelle: Der Westen